Feuer im Hürtgenwald – der bisher größte Waldbrand in NRW
Im August 2025 brannte im Hürtgenwald der bislang größte Waldbrand in der Geschichte Nordrhein-Westfalens. Der Beitrag zeigt, wie es zu dem Großbrand kam, welche Rolle Weltkriegsmunition und Trockenheit spielten und mit welchem technischen Aufwand Feuerwehr und Bundeswehr das Feuer bekämpften.
Bis zu 400 Hektar Wald vernichtet
Am Vormittag des 13. August brach im nordrhein-westfälischen Hürtgenwald Feuer aus. Die ersten Flammen loderten in der Nähe der Wehebachtalsperre. Das Brandgeschehen verlagerte sich bald in Richtung der beiden Ortsteile von Hürtgenwald, Gey und Großhau.
Die Entwicklung verlief rasant: Am nächsten Tag schon müssen die 2.000 Einwohner der Ortschaft Gey evakuiert werden. Am 15. August brennt auf belgischer Seite im Hohen Venn ein 100 Hektar großes Hochmoor – bald sind es dort 1.600 Hektar. Tiere werden in Sicherheit gebracht. Die Anwohner bangen um ihre Häuser. Hunderte Landwirte versorgen die Löschkräfte mit Wasser. Die Bundeswehr schickt Löschhubschrauber und Bergepanzer, um Schneisen in den durch die vorangegangenen Hitzewellen ausgetrockneten Wald und die Wacholderheide zu schlagen.
Das Feuer ging über rund 300 bis 400 Hektar hinweg. Kilometerweit waren Rauchsäulen am klaren Sommerhimmel zu sehen. Landespolitiker sprechen vom größten Waldbrand in der Geschichte von Nordrhein-Westfalen. Auch auf rheinland-pfälzischer Seite brannte es in der Vordereifel. Bei Langscheid zerstörte das Feuer 50 Hektar Natur. Auch in dieser Region kam es zu Evakuierungen.
Trockenheit und Weltkriegsmunition
Charakteristisch für Waldbrände in Deutschland ist die verstärkende Wirkung durch Restmunition aus dem Zweiten Weltkrieg. Der Hürtgenwald im Kreis Düren ist Einheimischen und Historikern als Schauplatz einer verlustreichen Abwehrschlacht von Oktober 1944 bis Februar 1945 bekannt. Noch immer liegen Minen und Sprengmittel im Waldboden, über deren Lage und Umfang keine Aufzeichnungen vorliegen. Begünstigend für die Brandausbreitung war die extreme Trockenheit der vorausgehenden Tage. Während die rund 1.800 Einsatzkräfte auf Regen hofften, erwiesen sich die Windverhältnisse als unberechenbar und brandfördernd.
Brandgeschehen länger als eine Woche
Am 15. August konnten die Einwohner von Gey in ihre unversehrten Häuser zurückkehren. Zu diesem Zeitpunkt waren die Brände auf deutscher Seite unter Kontrolle. Sorge bereiteten die vielen tief sitzenden Glutnester, die an der Erdoberfläche nur schwer auszumachen waren. Als die Löscharbeiten am 21. August offiziell beendet wurden, waren neben dem immensen Flurschaden glücklicherweise nur fünf Leichtverletzte zu beklagen – darunter ein Anwohner mit Kreislaufzusammenbruch bei laufender Evakuierung.
Amtshilfeeinsatz der Bundeswehr
Das Ausmaß des Eifel-Waldbrands lässt sich mit dem von Mecklenburg-Vorpommern vergleichen. Dort wurden im Juli rund 400 Hektar ein Raub der Flammen. In einem weit größeren Ausmaß aber kam in Nordrhein-Westfalen die Bundeswehr zum Einsatz. Rund 50 Soldaten waren vor Ort. Das Holzdorfer Hubschraubergeschwader 64 unterstützte mit zwei Sikorsky CH-3 zwei weitere NH-90-Löschhubschrauber mit ihren 5.000-Liter-Wassertanks.
Insgesamt 457.000 Liter Löschwasser wurden auf diese Weise abgeworfen. Vier Büffel-Bergepanzer 3 des Versorgungsbataillons 3 aus Unna wirkten währenddessen am Boden. Sie arbeiteten Seite an Seite mit zwei Bergepanzern 2 der Technischen Schule des Heeres in Aachen. Neben einem Großaufgebot der regionalen und überregionalen Feuerwehrkräfte, der Polizei, von Forstmitarbeitern und des Kampfmittelräumdienstes war dieser 50-köpfige Bundeswehreinsatz das hervorstechende Merkmal der Brandbekämpfung im Hürtgenwald.
Hightech im Einsatz
Zusätzlich zu den durch die Panzerfahrzeuge angelegten Schneisen hatten Landwirte mit ihren Pflügen Brandschutzstreifen um bedrohte Ortschaften gezogen. Zur Ortung und Bekämpfung von Glutnestern wurden mit Wärmebildkameras bestückte Drohnen eingesetzt. Erst im Juli war vom Regionalforstamt Rureifel-Jülicher Börse mit Sitz in Hürtgen ein sogenannter Fire Fighter in Dienst gestellt worden. Dieses Forstfahrzeug mit Wasserwerfer und 10.000-Liter-Tank lässt sich fernsteuern und konnte daher auch im munitionsdurchsetzten Gelände zur direkten Brandbekämpfung genutzt werden.
Verdacht auf Brandstiftung
Die Brandursache ist noch unklar. Die Polizei schließt Brandstiftung nicht aus und führt Ermittlungen durch. In einem Internetportal der Polizei waren rund 220 Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen. Derzeit sind Brandsachverständige am Ort des Geschehens.
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