GDV stößt globale Modernisierung des Brandschutzes auf See an
Der kürzliche Brand auf der „Morning Midas“ ist die katastrophale Fortführung eines Trends: Es brennt auf den Weltmeeren regelmäßig an Bord von großen Autofrachtern. Das wirft nicht nur im Hinblick auf Schäden und Versicherungsbilanzen Fragen nach einem zeitgemäßen Brandschutz auf – zumal Elektrofahrzeuge als Fracht eine besondere Herausforderung darstellen.
Nicht der erste Brand auf einem Autofrachter
2022 ging das RoRo-Frachtschiff „Felicity Ace“ mit fast 4.000 Fahrzeugen an Bord vor den Azoren brennend unter. 2023 trieb der in Brand geratene Autofrachter „Fremantle Highway“ vor der niederländischen Insel Ameland im Wattenmeer. Ein Seemann kam bei der Evakuierung ums Leben. Auf der „Morning Midas“ brach das Feuer Anfang Juni 2025 im Nordpazifik südlich von Alaska auf. Auch dieser Frachter hatte Autos geladen: 3.000 Fahrzeuge, davon rund 800 Hybrid- bzw. Elektroautos. Nachdem das Schiff mehrere Tage ohne Mannschaft dahintrieb, sank es beim Bergungsversuch durch Schlepper mitsamt seiner Ladung.
Bereits im Februar brannte die „Grande Brasile“ im Ärmelkanal, wenig später die „Grande Congo“ im Atlantik – beides ebenfalls Autotransporter. Der Gesamtverband der Versicherer (GDV) hat seit 2022 eine Schadenssumme von über einer Milliarde Euro bei Bränden von Autofrachtern auf See ermittelt. Über 10.000 Neuwagen wurden dabei zerstört.
Schiffsbrände auf Zehnjahreshoch
Der Hergang sieht meist so aus: Brände werden zu spät entdeckt. Das Feuer kann nicht mehr unter Kontrolle gebracht werden. Die Besatzung wird evakuiert. Das Schiff wird zum Raub der Flammen. Man geht davon aus, dass die Elektrofahrzeuge an Bord nicht zwangsläufig ursächlich für die Brandereignisse waren. Doch einmal in Brand geraten, sind sie mit ihren Lithium-Ionen-Akkus und dem verbauten Plastik nur schwer zu löschen. E-Autos in der Fracht sind also nicht per se brandgefährlicher als Verbrenner – sie zu löschen kann aber wegen des „Thermal Runaway“ die Löschsysteme des Frachters überfordern.
Speziell Reedereien sind aus Sicht des GDV in der Pflicht, die offensichtlichen Brandschutzmängel abzustellen und den Brandschutz an Bord den neuen Gegebenheiten anzupassen. Nach Angaben von Marine Risk Consulting, Allianz Commercial, liegen Schiffsbrände mit 250 gemeldeten Vorfällen auf einem Zehnjahreshoch. Während die Zahl der Schiffsverluste aus anderen Gründen kontinuierlich zurückgeht, scheinen speziell Batteriespeicher, wie Lithium-Ionen-Batterien, an Bord eine zunehmende Gefahr zu sein.
Die Verbesserungsvorschläge des GDV
Bei Bränden von Elektrofahrzeugen können konventionelle Löschmethoden an ihre Grenzen gelangen. Dies wurde auch in unserem Blog wiederholt thematisiert. Durchschlagender wären Löschmittel mit einem hohen Kühleffekt – und vor allem der Einsatz großer Wassermengen. Der GDV hat nun ein Positionspapier vorgelegt, das bei der International Maritime Organisation (IMO) diskutiert werden soll. Das Ziel: die Anpassung und Regulierung von Brandschutznormen im weltweiten Schiffsverkehr. Vertreter des GDV monieren, dass sich maritime Brandkatastrophen mit modernen Feuerlöschsystemen verhindern ließen.
Die derzeit eingesetzte Technik sei hingegen Stand der 1950er-Jahre. Die Vorschläge des GDV haben neben ergänzenden Löschmaßnahmen zur Brandeindämmung zwei Kernpunkte: Eine frühzeitige Branderkennung soll durch vollautomatische Detektionssysteme erreicht werden – moderne Hochdruck-Wasser-Nebel-Anlagen können Brände auch bei Elektrofahrzeugen effektiver löschen als mit der bisher eingesetzten Technik.
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