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Löschmittel ohne PFAS: Gelingt die die Transformation zu fluorfreien Löschschäumen?

Aufgrund ihrer umwelt- und gesundheitsschädlichen Wirkungen gilt jedoch EU-weit ein schrittweises PFAS-Verbot. Was aber sind die Alternativen? Welche Herausforderungen kommen mit dem endgültigen Verbot von PFAS-haltigen Löschschäumen auf die Brandschutzbranche zu?

PFAS ist eine Stoffgruppe der Per- und Polyfluoralkylsubstanzen, die bislang in vielen Produkten Verwendung fanden. So waren PFAS unter der Kurzbezeichnung PFOS für Perfluoroctansulfonsäure wegen besonderer Eigenschaften auch Bestandteil von Löschschäumen.

In fünf Jahren PFAS-frei

Seit Oktober 2024 gelten erste Beschränkungen für bestimmte PFAS-Substanzen, insbesondere von PFHxA. Ab 10. April 2026 sind schrittweise unterschiedliche Produktgruppen mit PFAS verboten. Dazu gehören PFAS-haltige Feuerlöschschäume bei Ausbildungszwecken und im Bestand öffentlicher Feuerwehren. Ab Oktober dürfen PFAS-haltige Feuerlöscher nicht mehr in Verkehr gebracht werden, bis Ende 2030 sind Altbestände zu entsorgen. Es gibt Ausnahmen: Beispielsweise sind Feuerlöschschäume mit Fluor in der Zivilluftfahrt noch bis zum 10. Oktober 2029 nutzbar.

Die Branche steht unter Druck

Wenn es ein großes Thema des europaweiten Brandschutzes gibt, dann ist es die Transformation zu fluorfreien Löschmitteln und Feuerlöschern. Altgeräte und Lagerbestände müssen entsorgt und gegen Alternativen ausgetauscht werden. Dieser Systemwandel im Brandschutz birgt für viele Anwender aktuell eine große Unsicherheit. Auf der einen Seite stehen die strikten gesetzlichen Vorgaben und ein klarer Zeitplan – auf der anderen Seite bringen sich Löschmittelhersteller in Position, um aus geschäftlichem Interesse ihrerseits Druck aufzubauen. Neben Kosten, Logistik und Praktikabilität kommt es auch darauf an, ob die alternativen Löschmittel eine vergleichbare Löschleistung wie PFAS-haltige Stoffe bieten können.

Mittlerweile vergleichbare Leistungen

Im Gespräch sind fluorfreie F3-Schaumlöschmittel, Wasserlöscher sowie Pulverlöscher für die Brandklassen A, B und C. Dabei geht es vor allem um Protein- oder Mehrbereichsschaummittel, wie es sie schon seit Jahren gibt. Reichte ihre Löschleistung auch nicht an die PFAS-Schäume heran, so vollzog sich in letzter Zweit eine rasante Produktentwicklung. Im Ergebnis erzielen fluorfreie Löschschäume mittlerweile Löscheffekte der Leistungsklasse I nach der DIN EN 1568 Teil 3 und 4 – was mit den indizierten Produkten in etwa vergleichbar ist. Für Feuerlöschanlagen gibt es ebenfalls ein größeres Spektrum an PFAS-freien Schaummitteln. Dieser Leicht- und Mittelschaum wird in Bezug auf mit Wasser nicht mischbaren Flüssigkeiten bewertet. Die filmbildende Wirkung von PFAS-Schwerschaum bei Bränden mit wasserlöslichen Flüssigkeiten (z. B. Alkohole) kann hingegen bisher noch nicht mit einem gleichwertigen Produkt erzielt werden.

Auf die Grenzwerte achten

Und jetzt wird es kompliziert: Von der PFAS-Grenzwertüberschreitung des jeweiligen Produkts hängt es ab, welche Schaummittel durch die Regulierung aus dem Verkehr gezogen werden müssen. Es gibt also auch fluorhaltige Löschmittel, die unter dem Grenzwert liegen und deshalb weiter eingesetzt werden können. Einige Produzenten haben bereits bei dem sich anbahnenden Verbotsverfahren Löschmittel hergestellt, die die geforderten Grenzwerte aktuell einhalten, aber womöglich bei fortschreitendem Verbotsverfahren vom Markt genommen werden müssen.

Schwerpunktthema Feuerlöscher

Fluorhaltiger Löschschaum war lange Zeit das Mittel der Wahl im Vergleich zum Löschpulver. Hier findet die Diskussion um die PFAS-freie Transformation ihren Schwerpunkt. Und dieser ist eine Frage des finanziellen wie des technischen Aufwands. Eine Umstellung würde den Austausch des kompletten Feuerlöschers gegen ein neues System erfordern. Jedoch ist diese Entscheidung typabhängig. Hier lohnt sich der genaue Blick auf die Produktspezifika. Denn einige Feuerlöscher lassen sich umrüsten und können mit neuem Inhalt weiter genutzt werden. Insgesamt lässt sich also sagen: Auf der Suche nach geeigneten PFAS-freien Alternativen sind viele Angebote sicher nicht per se „alternativlos“.

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