BRANDSCHUTZ – FACH­IN­FOR­MA­TIO­NEN FÜR PROFIS

Brandereignisse mit Lithium-Ionen-Akkus – es werden immer mehr

2022 sorgte ein Brandfall in Isernhagen bei Hannover deutschlandweit für Aufsehen: Dort brannte eine Villa nieder, nachdem sich ein Fahrradakku in der Bibliothek des rund 1.600 m² großen Hauses entzündet hatte. Der Sachschaden lag in Millionenhöhe. Solche auf Akkubrände zurückzuführenden Katastrophen waren seinerzeit noch neu und überraschend.

Demzufolge wollten die Medien Ängsten vorbeugen, indem bei aller spektakulären Wirkung auf die doch sehr überschaubare Fallzahl hingewiesen wurde. Welches Bild lässt sich heute zeichnen, nachdem sich akkugestützte Geräte in Privathaushalten und in der Industrie noch weiter verbreitet haben?

TÜV SÜD hat auch an dieser Stelle immer wieder vor den von Lithium-Ionen-Batterien ausgehenden Brandrisiken gewarnt und Ratschläge zur sachgemäßen Nutzung und Lagerung gegeben.

Diese Kenntnisse möchten wir mit Ihnen im neuen Seminar teilen. Denn Fälle wie die folgenden zeigen, dass an diesem wichtigen Präventionsthema für Brandschutzexperten kein Weg vorbeiführt. Nicht zuletzt soll die im Januar 2026 eingeführte Brandklasse L diesem zunehmenden Risiko gerecht werden.

In unserem Seminar „Brandschutz beim Umgang mit Lithium-Ionen-Batterien“ lernen Sie Maßnahmen kennen, um die Risiken der Brandentstehung und -ausbreitung zu minimieren.

Akkubrände sind keine Einzelfälle mehr

Brennendes Dach in Thüringen

Erst im Mai 2026 brannte abermals eine Villa, diesmal in Sondershausen in Thüringen. Der Dachstuhl des mondänen Altbaus wurde ein Opfer der Flammen, nachdem – wie ein Sachverständiger ermittelte – ein defekter Lithium-Akku in der Dachgeschosswohnung die Umgebung in Brand setzte. Ein elfjähriges Mädchen musste mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden. Der Schaden liegt bei mindestens zwei Millionen Euro.

Entsorgungswirtschaft: 30 Akkubrände täglich

Besonders häufig sind Akkubrände in der Entsorgungswirtschaft. So brannte im April 2023 in Braunschweig-Wolfenbüttel eine Halle für den Umschlag von Gewerbeabfällen ab. Im Verdacht: ein Lithium-Akku, der dort illegal entsorgt wurde. Der Branchenverband BDE schätzt die Zahl solcher und ähnlicher Brandereignisse auf rund 30 pro Tag – durchschnittlich zwei davon erfordern den Einsatz der Feuerwehr. Rund 80 Prozent des Gesamtaufkommens von Bränden in Müllfahrzeugen, Recyclinghöfen und Abfallbehandlungsanlagen werden mittlerweile von Lithium-Ionen-Akkus verursacht.

Wenn Müllfahrzeuge brennen

Ein einschlägiger Fall, der exemplarisch für viele weitere steht: Im September 2025 fing der Inhalt eines Müllfahrzeugs in Geesthacht im Herzogtum Lauenburg auf der Fahrt Feuer. Es hatte unter anderem einen widerrechtlich im Hausmüll entsorgten Akku transportiert. Das qualmend durch die Stadt rasende Müllauto konnte am Gerätehaus gerettet werden, wo es seine brennende Ladung auskippte.

IFS: Die meisten Brände passieren beim Laden

Bereits 2024 teilte das Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung (IFS) mit, dass etwa ein Drittel aller vom IFS analysierten Schadenfeuer durch Elektrizität verursacht wurden, davon rund 20 Prozent durch Lithium-Ionen-Akkus. In drei von vier untersuchten Fällen waren die Brände während der Ladephase entstanden. Die Zunahme akkubetriebener Produkte auf dem Markt führt nach IFS-Einschätzung zu immer häufigeren Rückrufen wegen Brandgefahr. Mehr als die Hälfte aller Produkt-Rückrufaktionen beruhen mittlerweile auf Problemen mit dem Akku.

Brandrisiko durch Pedelec-Akku

Ein E-Bike-Akku entzündete sich im Juni 2025 in einer Ferienwohnung in Unteruhldingen am Bodensee explosionsartig. Ein 63-jähriger Mann erlitt Verbrennungen beim Versuch, die Batterie noch schnell ins Freie zu tragen. Durch Funkenflug geriet Mobiliar in Brand. Sechs Personen zwischen fünf und 92 Jahren kamen mit einer Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus. Der Schaden beträgt 40.000 Euro. Auch dieser Fall ist nur ein Beispiel für weitere ähnliche Brandereignisse im Zusammenhang mit Fahrradbatterien.

Akkubrände bei der Feuerwehr

So erstaunt es nicht, dass mehrere Brände ausgerechnet in Einrichtungen der Feuerwehr höchstwahrscheinlich auf in Brand geratene Akkus zurückzuführen sind – etwa 2024 beim Brand des Gerätehauses im mittelhessischen Stadtallendorf und 2025 im osthessischen Treffurt. Parkende Einsatzfahrzeuge sind mit vielen Gerätschaften bestückt, die von Lithium-Akkus betrieben und im Gerätehaus geladen werden.

E-Autos wiederholt ausgebrannt

Und auch dieser Bereich ist betroffen: Eine defekte Fahrzeugbatterie führte zum Brand eines E-Autos in Delmenhorst, bei dem im März 2026 das Auto zerstört und ein Gebäude beschädigt wurde. Schadenssumme: rund 100.000 Euro. Schon im Februar war in Sankt Augustin in Nordrhein-Westfalen der brennende Batterieblock eines Kleinwagens während massiver Löscharbeiten explodiert. Umherfliegende Trümmerteile des E-Autos beschädigten weitere Fahrzeuge. 60 Feuerwehrleute waren nötig, um die Flammen schließlich zu ersticken. Hinterher musste das Unglücksauto in der Spezialmulde eines Siegburger Feuerwehrwagens geflutet werden. Noch ein dritter Fall: In Mandelbachtal bei Saarbrücken musste die Feuerwehr ausrücken, um eine brennende Garage mit einem dort abgestellten E-Auto zu löschen. Die Gefahrenlage wurde noch brenzliger, als die in der Garage lagernden brennbaren Flüssigkeiten und Gasflaschen mit lautem Knall detonierten. Brandursache: ein technischer Defekt beim Aufladen des Fahrzeugakkus.