BRANDSCHUTZ – FACH­IN­FOR­MA­TIO­NEN FÜR PROFIS

Wie künstliche Intelligenz den Brandschutz revolutionieren kann

Der Einsatz von künstlicher Intelligenz soll rund um den Globus neue Maßstäbe für Produktivität und Effizienz setzen. Unternehmen werten per KI Daten aus, steuern Fertigungsroboter und verschlanken ihre Verwaltung. Auch im Brandschutz könnte KI bald eine neue Qualität von Sicherheit herbeiführen. Werfen wir einen Blick in die Zukunft.

Zusammenspiel von KI und Sensorik

Zugegeben, flächendeckend eingesetzte KI im Brandschutz ist noch immer ein Wunschtraum. Doch wenn man die rasanten Fortschritte von KI-basierten Anwendungen im wirtschaftlichen und privaten Bereich sieht, dürften auch hier bald neue Tatsachen geschaffen werden.

KI lernt maschinell und erkennt anhand der über vernetzte Sensoren ermittelten Datenlage signifikante Muster. So lassen sich in Echtzeit Brände erkennen, bevor sie sich großflächig ausbreiten können – oder sogar noch, bevor Rauch entsteht, wie KI-Verfechter vollmundig versprechen. Kameras lesen mit der Bilderkennung im Hintergrund Muster in Flammen und interagieren mit Multisensor-Meldern. Diese liefern zu den optischen Daten auch Werte zu ungewöhnlichen Temperaturen und Gaskonzentrationen. Die Sensorik-Technologie ist ohne Weiteres verfügbar. Neu ist dabei, dass künstliche Intelligenz die Datenüberwachung übernimmt und beispielsweise blitzschnell eine Wasserdampfwolke von Brandrauch unterscheiden kann. Nicht die Sensoren, sondern die KI grenzt auch den Brandherd ein und sorgt für eine frühzeitige Alarmierung der Feuerwehr. KI operiert also nicht losgelöst von anderen Systemen, sondern ist immer auf die Datenerfassung durch Sensoren angewiesen. Hier stehen Informationen zur Rauch- und Gasentwicklung im Mittelpunkt. Weitere Daten kann eine Wärmebildkamera liefern.

Ganzheitliche Steuerung durch Brandschutz-KI

Aber die Sensoren moderner Brandmeldeanlagen sind nicht alles. Daneben kann KI auch Daten zur Gebäudestruktur, seiner Nutzung oder auch zur Wetterlage mit Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit und Staubbelastung in ihre Analyse einfließen lassen und Prognosen treffen. Lernfähige Algorithmen liefern Einschätzungen zur Gefährdungslage, ermitteln Brandereignisse bereits im Ansatz, steuern die Gebäude- und Brandschutztechnik und optimieren Fluchtwege. Künstliche Intelligenz öffnet Fluchttüren, blockiert Lüftungsanlagen und unterstützt die Evakuierung durch dynamische Leitsysteme. Die Brandfrüherkennung wird ergänzt durch die Minimierung von Falschalarmen.

KI-Risikomodelle und Einsatz bei der Brandbekämpfung

Brandschutzplaner können sich im Rahmen von Building Information Modelling (BIM) von KI-Simulationen leiten lassen, die Ergebnisse bereitstellen, für die auf anderem Wege ein immenser Aufwand nötig wäre – oder die sich ohne KI-Unterstützung schlicht nicht realisieren ließen. So kann das Brandrisiko virtuell modelliert und mit geeigneten Maßnahmen gesenkt werden. Ist dagegen der konkrete Brandfall eingetreten, könnte künstliche Intelligenz wiederum hilfreich im abwehrenden Brandschutz sein. Der Feuerwehr stünden etwa KI-Drohnen zur Identifizierung von Brandherden oder bei der Suche nach Vermissten zur Verfügung. Während der Löscharbeiten könnte künstliche Intelligenz Echtheit-Lageanalysen liefern und der effektiven Koordination des Einsatzes dienen.

Nutzen für Bürogebäude, Ämter und Kliniken

Moderne Arbeitswelten in Bürohäusern werden immer flexibler, was die Raumnutzung und -aufteilung betrifft. Hinzu kommt eine Masse an Akku-Technologie und verwinkelten Strukturen, die mit Brandschutzrisiken behaftet sind. Andere Gebäudetypen erfordern allein wegen ihrer Zweckbestimmung eine besondere Sorgfalt bei der Realisierung des Brandschutzes – etwa Krankenhäuser und Pflegeheime. Auch Rechenzentren stellen den Brandschutz vor Herausforderungen. Für Betreiber und Unternehmen wäre eine Investition in intelligente Brandmelder oder Systeme für Predictive Maintenance ein erster Schritt in die neue KI-Welt. Zumal die Arbeitsstättenverordnung ohnehin Brandschutztechnologie auf der Höhe der Zeit fordert.

Die Vorteile der KI sind alles andere als gratis

Anbieter von KI-basierter Technologie verweisen auf erste Studien, denen zufolge die KI Falschalarme und Reaktionszeiten um bis zu 40 Prozent reduziert. Doch stecken derartige Systeme noch in den Kinderschuhen. Und wie vieles, das fast schon zu gut klingt, gibt es auch hier ein dickes Aber: KI im Brandschutz bedeutet eine beträchtliche Anfangsinvestition – sowohl in die eigentliche Technologie als auch in die notwendige Infrastruktur. Künstliche Intelligenz lebt von Daten. Daher ist zumindest im EU-Raum beim Brandschutz auch der Datenschutz zu berücksichtigen. Und schließlich ist eine KI nur so gut wie die Menschen dahinter. Ohne spezifische Mitarbeitertrainings und -weiterbildungen wird die von vielen prophezeite Revolution im Brandschutz nicht möglich sein.

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