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Schlaglicht Hongkong: Hochhausbrand mit 168 Todesopfern

Wie konnte es im November 2025 zu einer verheerenden Brandkatastrophe mit einer dreistelligen Zahl an Todesopfern kommen – dem schlimmsten derartigen Ereignis in der Nachkriegszeit von Hongkong?

Hongkong ist eine ultramoderne Metropole. Die über sieben Millionen Einwohner der früheren britischen Kronkolonie leben in der weltweit höchsten Dichte an Wolkenkratzern. Die Infrastruktur in der chinesischen Sonderverwaltungszone ist der Zeit voraus und gilt als überaus effizient. Zwischen Tradition und Moderne leben die Menschen in der früheren britischen Kronkolonie einen selbstbewussten Lifestyle. Wie konnte es jedoch im November 2025 zu einer verheerenden Brandkatastrophe mit einer dreistelligen Zahl an Todesopfern kommen – dem schlimmsten derartigen Ereignis in der Nachkriegszeit von Hongkong?

Der Brandverlauf: Es begann an einem Baugerüst

Am 26. November 2025 brach ein Großfeuer im Wohnkomplex Wang Fuk Court mit acht Wohnhäusern im nördlichen Teil von Hongkong aus. Sieben der Gebäude wurden vom Feuer erfasst. Erst am 28. November war das Feuer unter Kontrolle gebracht. Zeitweilig kämpften rund 800 Einsatzkräfte gegen Flammen und Rauch. 128 aufgebotene Feuerwehrfahrzeuge sowie 57 Rettungswagen zeugen vom enormen Ausmaß des Hochhausbrands.

Die Flammen hatten sich von einem Bambusgerüst aus ins Innere des Wang-Cheong-Wohngebäudes ausgebreitet und griffen bald auf die sechs Hochhäuser in unmittelbarer Nachbarschaft über. Jedes dieser Gebäude hatte 31 Stockwerke. Insgesamt lebten in der Wohnanlage rund 4.600 Bewohner in knapp 2.000 Wohnungen. Infolge des Brands starben 168 Menschen – darunter ein Feuerwehrmann, 79 erlitten zum Teil schwere Verletzungen. Alle weiteren Bewohner verloren ihr Zuhause und mussten in Notunterkünfte umgesiedelt werden.

Die Vorgeschichte: Sanierungsarbeiten an der Fassade

Der 1983 errichtete Wohnkomplex wurde seit 2024 umfassend saniert, unter anderem auch an den Fassaden. Diese Arbeiten sollten 2026 abgeschlossen werden und brachten der Eigentümergemeinschaft Korruptionsvorwürfe wegen der Auftragsvergabe sowie der Stadtverwaltung Klagen von Wohnungseigentümern über aufgespannte Bauschutznetze ein. Nur eine Woche vor dem Großfeuer hatten behördliche Inspektoren die Brandschutzvorkehrungen vor Ort bemängelt. Ende November standen an den Wang-Fuk-Court-Hochhäusern Putz- und Fliesenarbeiten an den Außenwänden an. Zu diesem Zweck waren die acht Gebäude von den in Ostasien üblichen und wegen ihrer Materialvorteile geschätzten Bambusgerüsten umgeben. In den Tagen vor dem Brand war übrigens wegen der Trockenheit in der Region für das Stadtgebiet von Hongkong die höchste Feuerwarnstufe ausgegeben worden.

Die Brandermittlungen: Verdacht auf fahrlässige Tötung

Bereits im Dezember 2025 kam es zu 15 Festnahmen aus den Reihen des mit der Sanierung beauftragten Bauunternehmens wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung und Korruption. Die polizeilichen Ermittlungen gehen zum jetzigen Stand von grober Fahrlässigkeit der Baufirma aus, was zu einer unkontrollierten Brandausbreitung geführt habe. Die bereits angeführten Schutznetze werden im Sinne des Brandschutzrechts kritisch beurteilt. Obendrein sollen die installierten Brandmeldeanlagen nicht funktionstüchtig gewesen sein. Schließlich wurde auch festgestellt, dass leicht entflammbare Polystyrolplatten (Styropor) an den Fenstern wie ein Brandbeschleuniger gewirkt haben müssen.

Der Hintergrund: Unmut in der Bevölkerung

Obwohl Einwohner bereits 2024 Sicherheitsbedenken wegen der bei der Sanierung verwendeten Baumaterialien äußerten, hatte das Amt für Arbeit der Stadtverwaltung Hongkong das Brandrisiko als „relativ gering“ eingestuft. Entsprechend aufgebracht reagieren nun viele Betroffene und Anwohner. Die Bauunternehmen der Millionenstadt, aber auch die zuständigen politischen Instanzen werden stark kritisiert. Der Tenor: Sicherheitsnetze von mangelnder Qualität hätten aus Gründen der Kostenminimierung eine Ausbreitung des Feuers begünstigt. Die Verantwortlichen müssen offenbar vorsätzlich Risiken in Kauf genommen haben. Somit seien die erfolgten Festnahmen auch eine Maßnahme, um die Wogen des Unmuts zu glätten. Derzeit ist ein von Richtern geleitetes, unabhängiges Komitee mit der Untersuchung dieser Jahrhundert-Brandkatastrophe beauftragt. Schon jetzt zeichnen sich Parallelen zum Brand des Londoner Grenfell-Towers im Jahr 2017 mit 72 Todesopfern ab.

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