Disco-Brand in Kehl: Erinnerungen an Crans-Montana, jedoch alle Gäste in Sicherheit
Eine Partyfontäne als Brandauslöser, 750 Gäste in Gefahr – und dennoch alle in Sicherheit: Der Disco-Brand vom 29. März 2025 in Kehl erinnert schmerzhaft an die Tragödie von Crans-Montana, endet jedoch glimpflich. Welche Brandschutzmaßnahmen funktionierten, wo es Defizite gab und was Betreiber von Versammlungsstätten daraus lernen können.
Parallelen zum Geschehen in der Silvesternacht
Während ein kriminalpolizeiliches Ermittlungsverfahren läuft, ist inzwischen so viel bekannt: An diesem frühen Sonntagmorgen hielten sich 750 Gäste in dem Club auf. Mehrere Zeugen berichten von einer Feuerwerkskerze auf einer Flasche, deren Fontäne die Raumdecke berührt habe. Videos sollen diese Aussagen erhärten. Noch ist es nach polizeilichen Angaben zu früh, daraus endgültige Schlüsse abzuleiten.
Wie in der Schweiz lag auch in Baden-Württemberg die letzte Brandschutzkontrolle viele Jahre zurück, nämlich 2017. Normalerweise werden Brandverhütungsschauen mindestens alle fünf Jahre angestrebt, doch fallen sie nach Verlautbarungen einer Sprecherin der Stadt Kehl wegen Personalmangels aus dem Zeitrahmen.
Fünf Verletzte – Millionenschaden
Hier enden allerdings die schrecklichen Parallelen zur Feuernacht in Crans-Montana. Denn nachdem in dem Hip-Hop-Club in Baden-Württemberg das Feuer ausgebrochen war, konnten sich alle Gäste selbst in Sicherheit bringen. Fünf Personen wurden leicht verletzt bzw. brauchten psychologische Hilfe. Als die Feuerwehr eintraf, konzentrierte sie sich daher auf die Brandbekämpfung. Vier Löschzüge der Feuerwehren Kehl und des Ortenaukreises waren im Einsatz.
Zuvor hatte das Sicherheitspersonal der Diskothek vergeblich mit Feuerlöschern versucht, den sich ausbreitenden Brand einzudämmen. Im Ergebnis hatte das Feuer das gesamte zweistöckige Gebäude zerstört. Die Schadenshöhe soll im unteren einstelligen Millionenbereich liegen.
Lagen besondere Umstände vor, sodass dieser Brand verhältnismäßig glimpflich ausgehen konnte? Immerhin war hier eine Massenveranstaltung durch Feuer akut bedroht. Zumindest vom Betreiber des Clubs wird die Öffentlichkeit vorerst nichts erfahren. Er hat mitteilen lassen, „er sehe sich gegenwärtig nicht in der Lage, Fragen von Medienvertretern zu beantworten". In den sozialen Medien äußern sich viele Stimmen anerkennend. Der Clubbetreiber habe „ganz viel richtig gemacht", eine Massenpanik sei verhindert worden. Die Polizei sucht und befragt derzeit Zeugen. Die Aufklärung der Brandursache könnte sich jedoch wegen der Komplettzerstörung des Gebäudes hinziehen.
Vorbildliche Evakuierung
Mutmaßungen über leicht entflammbare Schaumstoffmaterialien wie in der Decke des Clubs in Crans-Montana erübrigen sich zurzeit. Disco-Besucher aus dem nahen Frankreich berichteten dem Blatt „Dernières Nouvelles d'Alsace", sie seien von einem Alarm beim Tanzen unterbrochen worden. Offenbar hatte sich zu diesem Zeitpunkt das Feuer noch nicht so eruptiv wie in der Schweiz ausbreiten können.
Wörtlich heißt es in einem Bericht der Zeitung: „Sie haben uns beruhigt. Die Evakuierung verlief sehr schnell. Das Personal war da, um alle zu leiten." Es habe Durchsagen auf Deutsch, Englisch und Französisch gegeben. Offenbar waren die Rettungswege offen und der Vielzahl der Flüchtenden angemessen (§§ 6 und 7 MVStättVO). Der in § 35 der Muster-Versammlungsstättenverordnung geregelte Umgang mit offenem Feuer und pyrotechnischen Gegenständen erfordert – wenn überhaupt zulässig – spezielle Brandschutzmaßnahmen. Ob diese in Kehl eingehalten wurden, lässt sich derzeit noch nicht sagen.
Die besseren Rahmenbedingungen zum Überleben
Die Brandkatastrophe von Crans-Montana wird oft als tragische Verkettung vieler Faktoren beschrieben, die erst alle zusammengenommen so verheerend wirken konnten. In Kehl fehlten glücklicherweise bestimmte verschärfende Umstände und verschlimmernde Zufälle, die im Nachbarland eine so hohe Zahl an Todesopfern gefordert haben.
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