BRANDSCHUTZ – FACH­IN­FOR­MA­TIO­NEN FÜR PROFIS

Alternative im Bauwesen: Bambusverkleidete Fassade trotzt dem Feuer

Bauen mit Holz gilt als zeitgemäß. Das nachwachsende Naturmaterial stellt eigene Anforderungen im Hinblick auf den Brandschutz. Während für die Konstruktion meist weiche einheimische Nadelhölzer, wie Kiefer oder Lärche, verbaut werden, kommen Harthölzer, wie Buche und Eiche, im Innenausbau zum Einsatz. Und es gibt auch exotische Holzarten mit erstaunlichen Brandschutzeigenschaften.

Grillbrand in Island

In Island kam es im August zu einem gefährlichen Brand beim Grillen. Ursache war ein defekter Gasschlauch. Bevor die Feuerwehr nach rund 20 Minuten das Feuer löschen konnte, griff es auf die Fassade des nahestehenden Hauses über – eine Holzfassade. Ihr konnte das Feuer aber nicht viel anhaben. Wie der Hausbesitzer hinterher erklärte, hat die Fassadenverkleidung aus Bambus die Außenküche und wohl auch das Haus davor gerettet, ein Raub der Flammen zu werden. Gleiches gilt für die aus Bambus gefertigten Terrassendielen.

Bambus mit höherer Brandschutzklasse

Die Fassade des Wohnhauses besteht aus Bambuselementen der Serie Bamboo X-treme des Herstellers Moso. Dieser wirbt damit, dass Bambus eine höhere Brandschutzklasse als herkömmliche Bauhölzer hat. Nicht mit Flammschutzmittel behandeltes Holz zählt in Deutschland überwiegend zur Brandschutzklasse B2 (normal entflammbar), nach europäischer Klassifizierung zu D. Der Bambus von Moso ist hingegen schwer entflammbar (B - s1 D0). Er kommt daher ohne zusätzliche Imprägnierung mit einem Flammschutzmittel aus – wie auch der Praxisfall bestätigte. Bambus-Baumaterial wird deshalb gern in Wohn- und Gewerbebauten eingesetzt. Dort spielt es eine Rolle als ästhetische Fassadenverblendung aus der Ressource eines extrem rasch nachwachsenden natürlichen Rohstoffs.

Spezielles Verfahren spart Imprägnierung

Dass Bambus auch ohne Flammschutzmittel eine so außergewöhnliche Feuerfestigkeit aufweist, liegt aber nicht nur am Material allein. Moso nutzt das sogenannte Thermo-Density-Verfahren, eine hauseigene Entwicklung, bei dem Bambuselemente erst thermisch behandelt und dann unter hohem Druck verdichtet werden. Für das niederländische Unternehmen Moso ist dieser im europäischen Maßstab eher unbedeutende Brandfall eine willkommene PR. Häuslebauer wie große Bauträger sind dennoch gut beraten, über Bambus als Alternative zu normal entflammbaren Nadelhölzern nachzudenken.

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